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Beim Wirt: Wo die Vielfalt zur Stärke wird

Als Gastgeber verbinden Stefan Monitzer und sein Team Menschen verschiedenster Herkunft. Dabei werden aktuelle Herausforderungen nicht ausgeblendet.

Die Region Kitzbühel lebt von einer besonderen Mischung: Einheimische, Touristen und Menschen, die hier ihre zweite Heimat gefunden haben, prägen gemeinsam das Bild – wirtschaftlich, kulturell und sozial. Einer, der diese Begegnungen zwischen den unterschiedlichsten Personen täglich erlebt, ist der Gastronom Stefan Monitzer. Mit gerade einmal 32 Jahren führt er vier Betriebe: das Gasthaus Rehkitz auf der Bichlalm, den Auwirt in Aurach, den kleinen Eisladen Cuore di Gelato Italiano in Kitzbühel sowie das Genuss Catering, das Veranstaltungen und Feiern weit über Tirol hinaus kulinarisch begleitet. Insgesamt beschäftigt er 30 Stamm-Mitarbeiter:innen und bis zu 60 Aushilfen.

„Einheimische, Touristen, Inhaber von Freizeitwohnsitzen – jeder, der bei uns zur Tür hereinkommt, wird gleich herzlich aufgenommen. Als Wirtshaus ist es unsere Aufgabe, Menschen zusammenzubringen.“

Das ganze Jahr über geöffnet, haben sich seine Gasthäuser – das Rehkitz und der Auwirt – zu lebendigen Treffpunkten entwickelt. Orte, an denen man einkehrt, sitzen bleibt und miteinander ins Gespräch kommt. Und Stefan und sein Team sind dabei vielleicht so etwas wie Brückenbauer zwischen jenen, die hier schon seit Generationen verwurzelt sind, und all denen, die sich in Kitzbühel zuhause fühlen. 

Stefan Monitzer ist Gastwirt mit Leib und Seele: „Ich mag einfach den Umgang mit Menschen.“

Papas erste Kunden wurden zu Wegbegleitern

„Woher man kommt, wo man wohnt, wie viel Geld man hat, war früher, glaub ich, kein so großes Thema oder zumindest war mir das nicht so bewusst“, erinnert sich Stefan. Sein Vater gründete 1993 – im selben Jahr, in dem Stefan geboren wurde – eine kleine Hausbetreuungsfirma. Stefan war schon als kleiner Bub bei den Fahrten zu den Kunden dabei und half fleißig mit.

„Die ersten Kunden meines Papas kamen aus Deutschland. Viele Familien kennen mich seit meiner Kindheit – und daraus sind auch Freundschaften entstanden.“

Der Schritt in die Selbstständigkeit mitten in der Corona-Zeit

Als Stefan sich 2020 – just mitten in der Corona-Zeit – gemeinsam mit seinem Partner Ralf Berner selbstständig machte, wurde schnell klar, wie wertvoll seine langjährigen Kontakte zu den unterschiedlichsten Menschen in der Region sind. Neben vielen Einheimischen standen ihm auch jene Freunde aus Deutschland zur Seite, die ihn schon seit Kindheitstagen kennen. Sie empfahlen sein Catering weiter und brachten Freunde und Bekannte mit. Für Stefan war von Anfang an klar, dass genau diese Mischung aus Einheimischen, Touristen und Menschen, die ihre zweite Heimat in der Region Kitzbühel gefunden haben, zu seinem Erfolg beiträgt.

Ohne diese Vielfalt, sagt er heute, hätte sich seine Vision wahrscheinlich nie so entfalten können. Der stabile Mix aus verschiedenen Gruppen gibt ihm eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit, die man im ländlichen Raum nicht überall findet. Stefan erinnert sich: „Als ich mich damals selbstständig machte, rief mich meine Mutter an und las mir die Schlagzeile des Tages vor: Gasthäuser-Sterben in Österreich.“ Und das ist Realität: Gerade im ländlichen Raum kämpfen die klassischen ganzjährigen Wirtshäuser vielerorts ums Überleben. 

Miteinander reden, eine gute Zeit haben – die Gasthäuser in der Region Kitzbühel leben von der Vielfalt der Gäste.

Was Stefan als Gastronom antreibt, ist vor allem eines: Begegnungen zu ermöglichen und den Austausch zwischen unterschiedlichsten Menschen zu fördern – Menschen, die sonst vielleicht nie miteinander in Kontakt kämen.

„Bei uns sitzt beim Mittagstisch der Maurer aus Jochberg und am Nebentisch der CEO aus Hamburg. Oft entstehen dabei Gespräche, die man sonst nie führen würde.“

Vom Großindustriellen, der seit Generationen seinen Freizeitwohnsitz in Kitzbühel hat, bis zum Neuzugezogenen, der gerade erst entdeckt, was die Region für ihn bedeutet – Stefan lernt viele Menschen kennen. Wie überall gibt es jene, mit denen man sofort einen Draht hat, und andere, mit denen es weniger passt. Doch für ihn spielt das keine Rolle, wenn jemand seine Gasthäuser betritt. „Mir ist wichtig, dass jeder Gast gleich gut behandelt wird – egal ob Handwerker, Mama mit schreienden Kindern oder CEO von weiß Gott was“, sagt er.

Das Wirken im Stillen, das viele nicht wissen

Viele Inhaber der Freizeitwohnsitze wollen gar nicht auffallen, erzählt Stefan.  Sie engagieren sich in Vereinen und Initiativen in der Region – oft still. Stefan erlebt das besonders beim Serviceclub Round Table und im Eishockeyclub, wo er selbst aktiv ist. „Ich bin großer Eishockeyfan. In den vergangenen Jahren hat sich dort ein wirklich starkes Netzwerk entwickelt“, sagt er. Viele bringen sich mit Zeit oder finanzieller Unterstützung ein. Einige kommen seit Jahrzehnten regelmäßig nach Kitzbühel. Sie kennen die lokalen Vereine genauso gut wie viele Einheimische und unterstützen Veranstaltungen oder springen ein, wenn für einProjekt finanzielle Hilfe gebraucht wird. Dieses Engagement findet zwar häufig im Hintergrund statt – ist aber für viele Strukturen in der Region von zentraler Bedeutung, erzählt Stefan.

„Viele Inhaber von Freizeitwohnsitzen engagieren sich in der Region, aber sie wollen nicht auffallen“, erzählt Gastronom Stefan Monitzer.

Sind wir wirklich so gastfreundlich?

Dabei ist Stefan weit davon entfernt, die Herausforderungen, welche dieses Nebeneinander der verschiedenen Lebensmodelle auch mit sich bringt, auszublenden. Die Diskussion rund um Freizeitwohnsitze hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Auch in seinen Gasthäusern wird das Thema regelmäßig angesprochen. Er fragt sich auch angesichts der Social-Media-Debatten schon öfter: Sind wir wirklich so gastfreundlich? 

Statt einzelne Gruppen gegeneinander auszuspielen, wünscht sich Stefan klare, transparente und für alle nachvollziehbare Rahmenbedingungen: bei finanziellen Beiträgen ebenso wie bei der Entwicklung zusätzlichen Wohnraums und der Nutzung von Flächen. Ihm geht es weniger um ein „Entweder-oder“ zwischen Freizeitwohnsitz und Hauptwohnsitz, sondern um verlässliche Spielregeln für ein gutes Miteinander.

Und die Zukunft? Wie soll es weitergehen?

Trotz der Debatten glaubt Stefan an die Fähigkeit der Region, schwierige Themen gemeinsam zu lösen. Er plädiert für Offenheit, für die Bereitschaft zum Gespräch – und dafür, dass die Region Kitzbühel ein Ort bleibt, an dem unterschiedliche Menschen miteinander leben können. Seine Gasthäuser sollen genau dafür Raum bieten. Dazu gehören traditionelle Stammtische ebenso wie Firmenfeiern, Vereinstreffen oder Familienfeste. Und es gehört dazu, dass Gäste unabhängig von Herkunft oder Berufsbezeichnung gleichbehandelt werden – ein Grundsatz, den Stefan konsequent lebt.

Ein Miteinander ohne Neid, ohne Gräben – getragen von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung.  So entsteht Heimat – die erste oder die zweite. Und genauso bewegen wir gemeinsam mehr.