Eingebettet zwischen den Bezirken Kitzbühel und Kufstein zählt der Kaiserwinkl zu jenen Regionen, in denen Freizeitwohnsitze eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Während kleinstrukturierte Landwirtschaften die Wiesen, Almen sowie Wälder pflegen und hochwertige Rohstoffe hervorbringen, sorgen Freizeitwohnsitze für zusätzliche Kaufkraft, Investitionen und internationale Aufmerksamkeit. Die Genossenschaft Biokäserei Walchsee – eine der traditionsreichsten Käsereibetriebe Tirols – steht sinnbildlich für dieses Zusammenspiel: tief in der Region verwurzelt, getragen von engagierten Bauernfamilien und zugleich Teil eines lebendigen Wirtschaftsraumes, dessen Stabilität von verschiedenen ineinandergreifenden Faktoren abhängt.
„Wie bei einem guten Käse braucht es auch eine gewisse Reife, um zu erkennen, wie wichtig gegenseitiger Respekt und ein funktionierendes Miteinander sind.“
Hinter jedem Laib Käse stehen Menschen und Arbeitsplätze
Dass zukunftsfähiger wirtschaftlicher Erfolg nur im Miteinander gelingt, hat man im Kaiserwinkl schon früh erkannt: 1898 schlossen sich rund 100 Bergbauern zusammen, um ihre Milch gemeinschaftlich zu verarbeiten. 1904 entstand die erste gemeinsame Produktionsstätte in Walchsee. Ein weiterer mutiger Schritt folgte 90 Jahre später mit der vollständigen Umstellung auf biologische Landwirtschaft. 2020 wurde schließlich der neue Käserei-Standort im Ortsteil Moosen eröffnet.
Damals flossen rund 10 Millionen Euro in Neubau, modernste Kellertechnik, einen Verkaufsladen, ein Bistro und eine Erlebnis-Käserei – eine wirtschaftliche Entwicklung, die ihresgleichen sucht. „Hinter jedem Laib Käse stehen Menschen, Höfe und Familien, die diese Region das ganze Jahr über tragen“, erklärt Gottfried Hallbrucker, Obmann der Biokäserei Walchsee, nicht ohne Stolz. Dieser nachhaltige Geschäftserfolg über das ganze Jahr hinweg basiert auf einer ausgewogenen Mischung aus Stammkunden und Touristen, die – wie Gottfried es beschreibt – gefühlt „Tonnen von Käse“ mit nach Hause nehmen.

Direkt von den Bauern mit kurzen Wegen und größtmöglicher Wertschöpfung für die Region – die Produkte der Biokäserei Walchsee begeistern eine vielfältige ganzjährige Stammkundschaft.
Damit die Wertschöpfung in der Region bleibt
Viele dieser langjährigen Kunden haben in der Region ihre zweite Heimat gefunden. „Besonders unsere internationale Stammkundschaft schätzt die ehrlichen, regionalen Produkte, die es anderswo kaum noch gibt. Das sind für uns wertvolle Kunden“, betont Gottfried. Wie hoch der wirtschaftliche Beitrag von Freizeitwohnsitz-Besitzern ist, unterstreicht die aktuelle Studie des GAW-Wirtschaftsforschungsinstituts: Allein im Bezirk Kitzbühel sorgten die 5.711 Freizeitwohnsitze im Jahr 2024 für jährliche Ausgaben von rund 217 Millionen Euro. Ob im Wirtshaus, im Handel oder im Handwerk – Freizeitwohnsitz-Besitzer setzen bewusst auf regionale Angebote und stärken damit die heimische Wertschöpfung. „Das wundert mich nicht. Um das zu verstehen, muss man nicht studiert haben. Jeder, der hier einkauft oder investiert, stärkt unsere Wirtschaft“, bringt es Gottfried auf den Punkt.

Hinter jedem Laib Käse stehen Menschen, Höfe, Familien und Arbeitsplätze.
Wie eine ganzjährige Direktvermarktung funktionieren kann
Jährlich werden durchschnittlich über 4 Millionen Liter frische Milch von mehr als 50 Bauernfamilien in der Biokäserei Walchseeverarbeitet. Die Milch stammt von Kühen, die im Sommer auf kräuterreichen Almwiesen grasen und im Winter ausschließlich mit Heu gefüttert werden. „Wir verkaufen Premium-Produkte, die mit größter Sorgfalt hergestellt werden“, erklärt Gottfried. Damit solch hochwertige Qualitätsprodukte in der Direktvermarktung langfristig am Markt bestehen können, braucht es verschiedene Faktoren.
„Unsere Landwirte erzeugen kontinuierlich hochwertige Rohstoffe – sie können die Produktion nicht einfach wie ein Industriebetrieb herunterfahren und wieder hochfahren.“
Ein Wirtschaftsmotor, der die Region bewegt
Neben den Einheimischen sorgen Menschen, die hier ihre zweite Heimat gefunden haben, für eine ganzjährige Nachfrage abseits des Preisdrucks des Massenmarkts – und sichern so Arbeitsplätze. Auch dafür gibt es wiederum Fakten: Allein im Jahr 2024 sorgten die 5.711 Freizeitwohnsitze im Bezirk Kitzbühel laut GAW-Studie für ein zusätzliches Bruttoregionalprodukt von 192,3 Millionen Euro. Damit verknüpft sind 1.758 Menschen, deren Arbeitsplätze dadurch ermöglicht oder gesichert wurden. Es ist ein Kreislauf. Die wirtschaftlichen Zahnräder greifen ineinander, sodass alle Branchen – direkt oder indirekt – von den Ausgaben rund um Freizeitwohnsitze profitieren.

Hier wird verkostet, erlebt und Landwirtschaft spürbar gemacht: Die Biokäserei Walchsee ist ein Treffpunkt für Einheimische, Touristen und alle, die hier ihre zweite Heimat gefunden haben.
Offene Begegnungen schaffen Verständnis
Die Biokäserei Walchsee ist in diesem Kreislauf weit mehr als eine Produktionsstätte oder Arbeitsplatz – sie ist ein lebendiger Treffpunkt und Aushängeschild der Genussregion Kaiserwinkl. Hier verbinden sich Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, Handel und Gastronomie zu einem authentischen Ganzen. Im Bistro wird dieses Miteinander besonders greifbar: Beim vormittäglichen Stammtisch treffen die unterschiedlichste Lebenswelten aufeinander. Willkommen, ist jeder – ob Einheimischer, Tourist oder Freizeitwohnsitz-Besitzer. „Einzige Voraussetzung ist, er hält unseren wortgewandten Stammgästen stand“, ergänzt Gottfried augenzwinkernd.
Gemeinsam für ein starkes wirtschaftliches Fundament
Für Gottfried ist klar: Wer im Kaiserwinkl Anschluss sucht, wird ihn auch finden, egal woher er kommt. „Natürlich braucht es klare Regeln. Aber was es nicht braucht, ist ein ständiges Gegeneinander.“ Denn am Ende entsteht aus unterschiedlichen Lebenswelten ein gemeinsames Fundament: Landwirte, Unternehmer, Beschäftigte, Einheimische, Touristen und Freizeitwohnsitz-Besitzer – vieles gelingt nur im Miteinander.
So wächst eine Region, die von ihrer Tradition lebt und zugleich von neuen Impulsen profitiert. Oder anders gesagt: der Geschmack von Heimat – getragen von all jenen, die sie schätzen. Wie ein guter Käse in all seinen verschiedenen Facetten: von mild und cremig bis kräftig und würzig. Alles hat seinen Platz.